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Lone Ranger

Tonto: »Guter Schuß!«
Lone Ranger: »Das sollte eigentlich ein Warnschuß sein.«
Tonto: »Dann, nicht so gut.«

Eine Gruppe Texas Ranger wird bei der Verfolgung der berüchtigten Bande von Butch Cavendish (William Fichtner) in einen Hinterhalt gelockt. Nur der Anwalt John Reid wird vom Indianer Tonto gerettet.

Gemeinsam machen sich die beiden an die Verfolgung. Aus dem harmlosen Anwalt wird nach und nach der maskierte »Lone Ranger«. Mehr will ich nicht verraten.

Meinung

Ich fall vom Glauben ab: In »Lone Ranger« ist alles drin, was man sich für Popcornkino wünscht, trotzdem ist der Film beim Publikeum in USA und der Kritik weltweit durchgefallen. Gründe kann ich nicht erklären, ich fands verdammt gut. Gott sei Dank hatte ich Frau Flinkwerts Lobeshymne gelesen, sonst wäre ich gar nicht ins Kino gegangen.

Wenn ich schreibe »alles drin« meine ich das genau so: Eisenbahnraub, Indianerüberfall, Kavallerieattacke, Brückenexplosion, Zugentgleisungen wie man sie noch nie gesehen hat, Verfoglungsjagd, John-Ford-County, Bergwerk, Kämpfe auf Eisenbahnwagons. Fehlte nur noch ein Postkutschenüberfall und das klassische Westernduell. Wobei sich Gore Verbinski mit so einem kleinen Showdown nicht abgibt. Da muss es richtig krachen.

Depp spielt wie erwartet gut, Armie Hammer kann sich überraschend gut als Identifikationsfigur behaupten und ist sich auch für den albernsten Gag nicht zu schade. William Fichtner gibt einen wunderbar gruseligen Bösewicht, den man in einem Disney-Film so nicht erwartet hätte. Überhaupt wirkt der »Ranger« eher wie ein Italo-Western: Staub, Dreck und Blut. Dazu großartige Landschaftsaufnahmen wie in der guten alten Zeit: perfekt hell ausgeleuchtet, der Staub flirrt im Gegenlicht. Wackelkamera gibt es nicht.

Mittlerweile scheint mir das Markenzeichen von Hans Zimmer, dass er keins hat. Während man Meister wie Maurice Jarre an der Musik erkennt, geht das bei Zimmer nicht ohne den Namen im Abspann. Hemmungslos wird ausgiebig das Harmonica-Thema von Morricones Soundtrack zu »Spiel mir das Lied vom Tod« zitiert. Und anstelle eines originellen Themas wie etwa John Williams »Raiders March« bei »Indiana Jones«, das man den ganzen Heimweg pfeift, verwendet Zimmer für den finalen Kampf das zu Stummfilmzeiten für Verfolgungs­jagden übliche Willhelm-Tell-Thema. Na ja.

Ein weiterer Kritikpunkt waren für mich die Killerkarnikel aus »Ritter der Kokosnuss«. Die waren so unpassend wie John Wayne in einem Vampirfilm.

Alles in allem bisher der beste Actionfilm des Jahres, zu unrecht völlig unterbewertet.
Viereinhalb von fünf Sternen.

Credits

»Lone Ranger« (2013)
Buch: Justin Haythe, Ted Elliott, Terry Rossio
Regie: Gore Verbinski
Kamera: Bojan Bazelli
Schnitt: James Haygood, Craig Wood
Musik: Hans Zimmer
Darsteller: Johnny Depp (Tonto), Armie Hammer (Lone Ranger/John Reid), William Fichtner (Butch Cavendish), Tom Wilkinson (Eisenbahnchef), James Badge Dale (Texas Ranger Dan Reid), Helena Bonham Carter (Puffmutter), Ruth Wilson (Ehefrau)

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Drive

Ein junger Mann, der tagsüber in einer Autowerkstatt arbeitet und als Stuntfahrer beim Film jobbt, fährt nachts den Fluchtwagen für Gangster.

Nach einem Wohnungswechsel verliebt er sich in die Frau, die nebenan mit ihrem kleinen Sohn lebt. Als deren Ehemann aus dem Gefängnis entlassen wird und dessen Ex-Kumpane verlangen, dass er einen Raubüberfall begeht, bietet der Fahrer seine Unterstützung an.

Was für ein Film! Am Ende saß ich noch minutenlang gebannt in meinem Sitz. Mit großer Wahrscheinlichkeit der Film des Jahres! (Ich weiß, dass es noch nicht einmal Februar ist)

Wahnsinnig gut fotografierte lange, ruhige Szenen. Perfekt sparsam beleuchtet. Man könnte fast jede Einstellung zum Poster verarbeiten. Dazu ein ausgezeichnet passender pulsierender, synthetischer Soundtrack mit einer Handvoll Gesangsnummern mit Ohrwurmqualität. Habe mir sofort die CD bestellt.

Ryan Gosling hat eine unglaubliche Leinwandpräsenz. Die fast wortlosen Szenen mit seiner Partnerin Carey Mulligan –ganz großes Kino. Überragend auch Albert Brooks als Bernie und – ungewohnt ohne Maske (»Hellboy«,»Der Name der Rose«) – Ron Perlman. Bei Bryan Crenston war ich von der Synchronisation irritiert. Roland Nitschke spricht üblicherweise Tommy Lee Jones. Diese Verbindung habe ich so gut im Ohr, dass ich ständig Mr. Jones vor Augen hatte.

Wegen der heftigen Gewaltszenen kann ich »Drive« nicht uneingeschränkt empfehlen; der Film hat völlig zu Recht keine Jugendfreigabe. Und die Fans von einfachen Autoverfolgungsfilmen wie »Fast an Fourious« werden auch enttäuscht sein.

Fünf von fünf Sternen. Wer Filme von Quentin Tarantino mag, wird »Drive« lieben!

»Drive«, 2011
Regie: Nicolas Winding Refn
Buch: Hossein Amini nach dem Roman von James Sallis
Kamera: Newton Thomas Sigel
Montage: Matthew Newman
Musik: Cliff Martinez
Darsteller: Ryan Gosling (Fahrer), Carey Mulligan (Irene), Bryan Crenston (Werkstattbesitzer), Albert Brooks (Bernie), Ron Perlman (Nino)

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Wer ist Hanna?

„Ich hab dein Herz verfehlt.“

Hanna

Ein verstörendes Meisterwerk mit exzellenter Bildkomposition, getragen von den überragenden Schauspielern. Perfekt für die Verfolgungsjagden: die hämmernden Beats der Chemical Brothers. Nur einmal wird klassische Musik verwendet, Griegs »In der Halle des Bergkönigs«. Dynamik und Accellerando passen so perfekt, als sei das Stück extra für diese Szene komponiert. Und der verfallende Vergnügungspark als Kulisse für den finalen Showdown: grandios!

Mein Film des Jahres 2011.

Fünf von fünf Sternen. Unbedingt anschauen.

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Tucker and Dale vs. Evil

»… und dann ist der Kerl in die Häckselmaschine gesprungen! Ehrlich, so war’s, Officer.«

Tucker

»Tucker & Dale vs Evil« (Kanada 2010)
Darsteller: Tyler Labine (Dale), Alan Tudyk (Tucker), Katrina Bowden (Allison), Jesse Moss (Chad), Philip Granger (Sheriff)
Buch: Morgan Jurgenson, Eli Craig
Fotografie: David Geddes
Montage: Bridget Durnford
Regie: Eli Craig

Bekannt aus vielen Filmen: Studenten gehen auf Campingtour, werden von fiesen Hinterwäldlern verfolgt und niedergemetzelt. Eli Craig zeigt die Geschichte aus der anderen Perspektive.

Tucker und Dale wollen am Wochenende ihr neu erworbenes »leicht renovierungsbedürftiges« Wochenendhäuschen im Wald reparieren, eiskaltes Dosenbier trinken und fischen.

Am anderen Seeufer zeltet eine Gruppe Studenten, die zum Abkühlen ins Wasser springen. Eine davon, Allison, kommt ein wenig später. Sie klettert abseits von ihren Mitschülern über Geröll, rutscht ab, stößt sich den Kopf und fällt in den See.

Zum Glück sind Dale und Tucker mit ihrem Angelboot zur Stelle und ziehen Allison heraus. Ihre Mitstudenten sehen vom anderen Ufer nur, dass da zwei Hinterwäldler ihre bewusstlose Freundin ins Boot zerren und scheinbar entführen. Also machen sie sich mit einem Beil bewaffnet an die Verfolgung.

Als sie das Haus von Tucker und Dale erreichen, ist Tucker mit der Kettensäge am Holzmachen. Blöderweise zersägt er dabei ein Wespennest und flüchtet kettensägenschwingend und brüllend auf die Studenten zu! So nimmt das auf Missverständnissen und haarsträubenden Unfällen basierende Gemetzel seinen Lauf.

Mir hat diese rabenschwarze Splatterkomödie gefallen. Viele Dialoge haben Kultpotential: »Das ist eine Gruppe von Selbstmordattentätern! Die gehen in den Wald und bringen sich um!« oder »Und was sollen wir dem Sheriff sagen? War ein schöner Tag, bis der Typ in die Häckselmaschine gesprungen ist?«

Tyler Labine und Alan Tudyk spielen die nur auf den ersten Blick beschränkten Hillbillies wunderbar, Katrina Bowden gibt gelungen die Psychologiestudentin, Philip Granger überzeugend den knorrigen Landsheriff und Jesse Moss hat das gewisse irre Etwas. Natürlich darf eine kreischende kurvige Blondine nicht fehlen, diese Rolle füllt Chelan Simmons.

Ein überraschend guter, komischer B-Film. Wer »Shaun of the dead« mochte, wird »Tucker & Dale vs Evil« lieben. Ich freue mich auf den nächsten Film von Regisseur Eli Craig.

Vier von fünf Sternen.

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Mary und Max

»Als ich jung war, erfand ich einen unsichtbaren Freund namens Mr. Ravioli. Mein Psychiater hat gesagt, dass ich ihn nicht nicht mehr brauche. Seitdem sitzt er in der Ecke und liest. «

Max

»Mary und Max«
(Mary and Max, Australien 2009)
Stimmen: Helmut Krauss (Max), Gundi Eberhard (Mary), Valentina Bonalana (Mary jung), Boris Aljinovic (Erzähler)
Buch und Regie: Adam Elliot
Fotografie: Gerald Thompson
Schnitt: Bill Murphy
Musik: Dale Cornelius

Die kleine Mary hat erzählt bekommen, dass in ihrer Heimat Australien die Babies in Biergläsern gefunden würden. Neugierig möchte sie wissen, wie das wohl im fernen Amerika ist. Sie sucht sich aus dem Telefonbuch beim Postamt irgendeinen Namen aus, notiert sich die Adresse und verfasst einen langen Brief an einen gewissen Max Jerry Horovitz in New York.

Sie erzählt von ihrem Vater, der in einer Fabrik die Fäden an Teebeutel heftet und in seiner Freizeit Vögel ausstopft, die er überfahren neben dem Highway findet. Ihre Mutter sei hauptsächlich damit beschäftigt, ein Getränk namens Sherry ausgiebig zu verkosten. Und dass sie – Mary – keine Freunde hätte.

Der überraschte Max setzt sich an seine Schreibmaschine und verfasst eine ausführliche Antwort. Er sei 44 Jahre alt, Single und deshalb wisse er mit den Babies nicht genau Bescheid; soweit ihm bekannt schlüpften die in Amerika aus Eiern, die von Rabbinern ausgebrütet würden, bei christlichen Kindern von Nonnen und bei den Atheisten von Frauen mit zweifelhaftem Lebenswandel.

Nebenbei erzählt er von seinen erfolglosen Besuchen bei den Weight-Watchers, von den Ratschlägen seines Psychiaters und dass die Leute in New York ständig überall Zigarettenkippen wegwerfen würden, die er aufsammle, dass er auch keine Freunde habe und ob Mary seine Freundin sein möchte.

Natürlich schreibt Mary sofort eine Antwort an Max. So ergibt sich über die Jahre ein intensiver Briefwechsel, in dessen Verlauf die beiden eine Menge über das Leben des anderen erfahren.

Normalerweise schaue ich mir keine Trickfilme an; Schauspieler sind mir lieber. In »Mary und Max« bin ich eher zufällig geraten – und wurde völlig überrascht. Die tragikomische Handlung hat den Saal oft vor Lachen zum Beben gebracht (an vielen Stellen bleibt einem das Lachen auch im Halse stecken), während man gegen Ende ins Schniefen kommt. Obwohl es doch »nur« um Knetfiguren geht, die im altmodischen Stop-Motion-Verfahren aufgenommen wurden. (im Durchschnitt entstanden zweieinhalb Filmminuten PRO WOCHE!)

Ich habe gestaunt über die Fülle der skurilen Einfälle: die Teebeutelfabrik, Grabsteininschriften wie »Always merry, killed by Sherry«, die windschiefe Skyline von New York, die fast schwarzweiße Darstellung, nur mit kleinen Farbtupfern versehen (Lippenstift, die Bommel der Mütze), die verschrobenen Nachbarn …

Unter den leisen Filmen vermutlich der beste Film des Jahres. 5 von 5 Sternen. Unbedingt anschauen! (Für Kinder ist der Film meiner Meinung nach nicht geeignet)

Sehenswert ist auch die Website zum Film, die interessante Einblicke hinter die Kulissen gewährt.

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Avatar

„Just relax and let your mind go blank. That shouldn’t be too hard for you.“

Dr. Grace Augustine

»Avatar« (USA 2009)
Buch und Regie: James Cameron, Kamera: Mauro Fiore, Schnitt: John Refoua und Stephen E. Rivkin, Musik: James Horner
Darsteller: Sam Worthington (Jake Sully), Zoë Saldana (Neytiri), Sigourney Weaver (Dr. Grace Augustine), Stephen Lang (Colonel Miles Quaritch), Michelle Rodriguez (Pilotin Trudy Chacon), Joel Moore (Norm Spellman)

Die Geschichte ist bekannt und schnell erzählt: ein gieriger Konzern beutet, unterstützt von skrupellosen Militärs einen Urwald aus, schickt einen Kundschafter zu den Eingeborenen, der lernt Land und Leute schätzen, verliebt sich in seine Betreuerin und muss sich entscheiden, auf wessen Seite er in dem sich zuspitzenden Konflikt steht.

Die Variante bei Camerons Film sind die sogenannten Avatare, die aus Genen von Einheimischen und Menschen erschaffen wurden. Um sie zu steuern, legt sich der menschliche Genspender in eine Art Solarium, das den Geist in den Kunstkörper überträgt. Sobald ein Avatar einschläft, »erwacht« der Mensch und erstattet Bericht. Das Avatar bleibt so gut wie leblos an Ort und Stelle, bis Mensch sich wieder in den Apparat legt.

Was ich bisher an 3D gesehen hatte, wirkte nur wie billige Effekthascherei. Und bei dem ganzen Rummel im Vorfeld, den Infos (»blaue Elfen«, mehr als 60% des Films computergenerierte Bilder) und den Artikeln, die ich gelesen hatte(z. B. »Der mit den Schlumpfkatzen tanzt«), waren meine Erwartungen an den Film nicht besonders hoch.

An der Kinokasse dann die erste Überraschung: *zwei* Filme ausverkauft, »Soul Kitchen« und – »Avatar«. Glücklicherweise wurden nicht alle Vorbestellungen abgeholt und es kamen alle Wartenden ins Kino.

Die zweite Überraschung: Der Film hat mich komplett umgehauen. Die 3D-Sicht verleiht dem Geschehen eine Tiefe, dass die Leinwand wie ein Fenster in eine andere Welt wirkt; was der Film ja auch ist: der Star ist zweifellos der Mond Pandora. Man kann sich gar nicht satt sehen an diesen Wäldern mit den exotischen Tieren und Pflanzen, ist ständig nur am Gucken, Entdecken und Staunen. Und beim Ausflug in den Dschungel hat man durch die 3D-Ansicht das Gefühl, die Moskitos schwirrten einem direkt um die Nase herum.

Genauso sorgfältig sind Raumschiffe, Flugzeuge und die Kommandozentrale entworfen. Die gezeigte Technik ist vom Feinsten: so ist zum Beispiel das Personal anstelle von Bildschirmen mit halbtransparenten holografischen Anzeigen umgeben – da wirkt die Brücke des letzten Raumschiff-Enterprise-Films im Vergleich wie kalter Kaffee.

Natürlich hat Cameron Unmengen Teile aus der Filmgeschichte geklaut, natürlich ist die Mimik bei den animierten Charakteren immer noch weit von Schauspielern entfernt (wenn auch besser als alles bisher dagewesene). Aber bei diesem bildgewaltigen Werk ist das nebensächlich. Und bei den Actionszenen zeigt Cameron wieder einmal, wo der Hammer hängt.

Leider fand ich die Musik von James Horner, den ich sonst sehr schätze (»Star Trek 2«, »Titanic«), etwas schwach. Da ist kein einziges Thema dabei, das im Gedächtnis bleibt, die Komposition wirkt ungewohnt lieblos. Schade. Muss ich mir beim Online-Versender nochmal anhören.

Was ich James Cameron ein wenig übel nehme, ist, dass er Zoë Saldana (in der Hauptrolle als Eingeborene Neytiri) im Film hat und uns ihr »normales« Aussehen vorenthält.

Fazit: »Avatar« hat alles, was ein Film idealerweise bieten kann: für ein paar Stunden in eine fremde Welt eintauchen und den Alltag vergessen. Ein Film, der Maßstäbe setzt für das Action- und Science-fiction-Genre. Die neu entwickelten 3-D-Techniken und Effekte haben die Meßlatte für künftige Produktionen in schwindelerregende Höhen verschoben. Wie nach Spielbergs »Jurassic Parc« mit seinen lebensecht wirkenden Dinosaurieranimationen habe ich den Eindruck, dass eine grundlegende Neuerung geschehen ist.

Unbedingt anschauen, und unbedingt in 3D. Es lohnt sich!

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Inglourious Basterds

Oberst Landa: [giddy] »That’s a bingo!«
Lt. Raine: [Lt. Aldo and PFC. Utivich stare at him in confusion]
Oberst Landa: »Is that the way you say it: That’s a bingo?«
Lt. Raine: »You just say bingo.«
Oberst Landa: »Ahhh! BINGO! What fun! But, I digress. Where were we?«

»Inglourious Basterds« (USA / Deutschland 2009)
Buch und Regie: Quentin Tarantino, Kamera: Robert Richardson, Schnitt: Sally Menke, Szenenbild: David Wasco, Stunt Double Laurent und Kruger: Zoë Bell, German Translation quality assurance: Tom Tykwer
Darsteller: Christoph Waltz (Oberst Hans Landa), Mélanie Laurent (Shosanna Dreyfus), Brad Pitt (Lt. Aldo Raine), Daniel Brühl (Fredrick Zoller), Diane Kruger (Bridget von Hammersmark), Michael Fassbender (Lt. Archie Hicox), Til Schweiger (Hugo Stiglitz)

»Inglourious Basterds« erzählt in scheinbar lose zusammenhängenden Kapiteln Geschichten aus dem von Nazis besetzten Frankreich. Im ersten Kapitel unterhält sich der SS-Oberst Landa (Christoph Walz) mit einem Milchbauern (Denis Menochet), im zweiten werden die sogenannten »Basterds« – eine amerikanische Truppe unter Leitung von Lt. Aldo »the Apache« Raine (Brad Pitt) – vorgestellt, die hinter den feindlichen Linien brutal und erfolgreich Angst und Schrecken verbreiten, im dritten Kapitel wird gezeigt, wie ein deutscher Kriegsheld (Daniel Brühl) eine französische Kinobesitzerin (Mélanie Laurent) umwirbt, danach geht es weiter mit der Operation »Kino« …

Filme von Quentin Tarantino sind immer sehr … speziell. Man mag sie oder kann sie nicht ausstehen – ich bin ein Fan. Deswegen ist die folgende Lobeshymne mit Vorsicht zu genießen. 😉

Die Trailer ließen ja einen tumben Gemetzelfilm vermuten. Weit gefehlt. Tarantino hat einen dialoglastigen Film mit vielen kammerspielartigen langen Szenen gedreht, die von kurzen aber um so heftigeren Gewaltausbrüchen unterbrochen werden. Die Bilder sind unbeschreiblich gut gelungen, Kameraführung, Beleuchtung, Bühnenbild und Requisite sind erstklassig. So stelle ich mir großes Kino vor.

Dazu exzellente Darsteller, die man gar nicht alle nennen kann. Erwähnen möchte ich den mir bisher unbekannten Christoph Walz, der einen Bösewicht spielt, wie man ihn so furchterregend lange nicht mehr gesehen hat, Mélanie Laurent, die so gut spielt wie sie aussieht, Daniel Brühl, der nicht nur charmant, sondern auch überraschend brutal aufspielt, Denis Menochet als wortkargen Bauern, Till Schweiger, Diane Kruger … ein wunderbares Ensemble bis in die kleinsten Nebenrollen. So wird z. B. in einer Szene am Schluß die Stimme am anderen Ende einer Funkverbindung von keinem geringeren als Harvey Keitel gesprochen.

Überhaupt, die Sprache. Den Film *MUSS* man im Originalton hören, alles andere hat keinen Sinn. Tarantino hat es geschafft, alle Rollen mit Schauspielern der entsprechenden Nationalität zu besetzen und sprechen zu lassen. Und in wenigstens zwei Szenen funktioniert die Handlung nur durch die verschiedenen Sprachen (Englisch, Deutsch, Französisch, Italienisch), weil z. B. Oberst Landa erst auf französisch und später auf englisch spricht (Christoph Waltz ist da ein Phänomen; er spricht all diese vier Sprachen fließend). Optimal war die in der »Schauburg« gezeigte Fassung mit deutschen Untertiteln. Die braucht man auch; Brad Pitt nuschelt fast so unverständlich wie Marlon Brando. Sein Italienisch dagegen ist … göttlich.

Da der Film hauptsächlich in Berlin gedreht wurde, sieht man viele bekannte Gesichter im Hintergrund, z. B. Christian Berkel als Kneipenwirt oder Bela B. von den »Ärzten«. Überraschende Erfahrung.

Ebenfalls überrascht war ich zu Hause, als ich bei Recherchen zur verwendeten Musik über »Green Leaves of Summer« gestolpert bin, das ich eigentlich aus der Vorführung von »The Alamo« kennen sollte. Wenn man den Gerüchten glauben schenken darf, wollte Tarantino ursprünglich Altmeister Ennio Morricone für den Soundtrack verpflichten, was nicht geklappt hat. So blieb es – wie bei Tarantino üblich – beim (gelungenen) Recycling von Filmmusikklassikern.

Der Film hat – kein Wunder bei 154 Minuten – einige wenige Längen; allerdings wüßte ich nicht, was man weg lassen sollte. Bei den Gewaltszenen hätte ich mir etwas weniger gewünscht; z. B. Skalpieren möchte ich nicht so detailliert sehen müssen. Und Lee Marvin (der mit seiner Rolle aus »Das dreckige Dutzend« als Vorlage diente) anstelle von Brad Pitt wäre göttlich gewesen.

Fazit: ein genial gemachter beeindruckender Film nicht für jedermann, unbedingt im Originalton anzusehen.

Fünf von fünf Sternen.

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Brügge sehen … und sterben?

Marie: „Why don’t you both put your guns down and go home?“
Harry: „Don’t be stupid! This is the shootout.“

Ein Film, der in keine Kategorie passt: voll rabenschwarem Humor, zum Brüllen komisch, gleichzeitig melancholisch (die Szene mit Schuberts »Leiermann«! unglaublich), tragisch, brutal und mit Anklängen an Samurai-Filme.

Schwierig zu beschreiben.

Die Story: Zwei irische Auftragsmörder werden von ihrem Boss (Ralph Fiennes) nach einem mißglückten Job für einige Zeit nach Brügge geschickt. Dort ist während der Weihnachtszeit fast alles ausgebucht, weshalb die beiden sehr unterschiedlichen Herrn (exzellent gespielt von Brendan Gleeson und Colin Farrell) mit einem Doppelzimmer vorlieb nehmen müssen.

Während der eine begeistert die Stadt besichtigt, ist der andere nur genervt und will heim. Die sich daraus ergebenden Situationen sind einfach köstlich. Nur leider ist da der Beruf der Herren und der unglückliche Vorfall, der überhaupt zu diesem Zwangsurlaub geführt hat. Deshalb ist dann schon bald Schluß mit Lustig und das Drama nimmt seinen Lauf.

Mehr darf man eigentlich nicht verraten. Für mich ist es der Film des Jahres. Humorvoll, anrührend, brutal. Herrvoragende Schauspieler, ausgezeichnet inszeniert, gut fotografiert, ruhig geschnitten. Und den Soundtrack habe ich mir gleich bestellt.

Erwähnen möchte ich noch, dass ich von Clémence Poésy begeistert war. Endlich mal keine der üblichen Filmschönheiten mit am Reißbrett geplantem Gebiss. Wunderte mich, dass die noch nirgends zu sehen war. Und nachdem ich recherchiert habe, hat es mich noch mehr gewundert, dass sie bei Harry Potter als Fleur dabei war. Ist mir dort nicht aufgefallen.

»Brügge sehen … und sterben?« Irland 2008 (Original: »In Bruges«), Buch und Regie Martin McDonagh, Kamera Eigil Bryld, Musik Carter Burwell. Mit Brendan Gleeson, Colin Farrell, Ralph Fiennes, Clémence Poésy, Jordan Prentice, Thekla Reuten u. a.